Idole & Venusdarstellungen

 

Die Serie "Idole & Venusdarstellungen" berücksichtigt beides - künstlerische und kulturhistorische Elemente.

Die künstlerische Ebene bezieht sich auf rein maltechnische Fragestellungen, die sich aufgrund der Abfolge von Grundierung und Strukturierung von Untergrund, Farbaufbau und diversen Materialschichtungen, notwendigerweise ergeben. Sie beinhaltet einerseits die restauratorische Kenntnis von Farbmaterial und künstlerisch-historischer Technik, andererseits das Studium der Malerei, die hier in kombinierter Form zum Einsatz kommen.

Der kulturgeschichtliche Aspekt ist die historische Herkunft der Abbildungen. D. h. die Bilder sind im Kontext der Auseinandersetzung mit meiner museumspädagogischen Arbeit und einem kulturgeschichtlichen Interesse zugleich entstanden. Die Idole sind real vorhanden, mein Ansatz bezieht sich auf die Beschäftigung mit dem Leben nach dem Tod, aber auch mit der rituellen Tradition verschiedenster Ethnien der vorchristlichen Zeit. Obwohl die Idole und Venusdarstellungen ihre magische Wirkung aufgrund ihrer Körperhaftigkeit (Dreidimensionalität) entfalten, erreicht ihre materielle Größe oft nur wenige Zentimeter. Hier zeigen sie sich aufgebläht in riesenhafter Übertragung auf die zweite Dimension. Damit sind sie ihrer ursprünglichen Wirkungskraft enthoben, dominieren aber aufgrund ihrer Übergröße das ganze Bild. Das Spiel mit den Proportionen habe ich bewusst aufgegriffen und übertrieben zur Anwendung gebracht, um ihre Bedeutung malerisch in Szene zu setzen. Die reduzierte Form der Darstellung, die auf Details verzichten kann, erklärt sich durch die Betonung von Körperteilen, die im Kontext des damaligen Lebens, unter dem Aspekt der Fruchtbarkeit, standen. Die damit im Zusammenhang stehenden magischen Fähigkeiten waren für die der Unberechenbarkeit der Natur ausgesetzten Menschen von großer Bedeutung.

Ornamente tragen ebenfalls zur rituellen Wirkung bei. Man sieht sie auf Gefäßen, die im kultischen Gebrauch zum Einsatz kamen. Die Hinzufügung der ornamentalen Gestaltung der Hintergründe auf den Bildern, die nicht immer auf eine vorchristliche Motivik zurückgreift, sondern Schablonen des 19. Jh. zeigen, ist in Stellvertretung alter Ritzzeichnungen und Vasenmalereien zu sehen. Diese aufschablonierten Hintergründe entstammen einer anderen historischen Epoche und zeigen biografische Bezüge auf, die meiner restauratorischen Praxis entspringen.

Die erzählerischen Motive im Hintergrund hingegen stellen Anleihen von Höhlenmalereien dar, die auf kulturgeschichtliche Aspekte verweisen. Sie zeigen den Lebensalltag der Dargestellten.

Der partielle Goldgrund ist fernerhin ein Hinweis auf den Jenseitsglauben, der in der christlichen Zeit, im Zusammenhang mit der Tradition des Bildes, eine Neu-Interpretation erfuhr.

Idole & Venusdarstellungen
Idole & Venusdarstellungen
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Idole
Venus von Tepe Sarab